Patellofemorales Schmerzsyndrom: was ist das und was kann ich dagegen machen? Teil 1

 23. Januar 2014

Es ist soweit! Heute präsentiere ich euch den ersten von zwei Teilen eines Artikels aus dem Bereich Rehabilitation. Thema dieses Artikels ist die Entstehung und Behandlung von vorderem Knieschmerz, auch bekannt als Patellofemorales Schmerzsyndrom (PFS oder PFPS). Dabei geht es im ersten Teil um Definition, Entstehung und Verlauf des PFS, im zweiten Teil dann um die Behandlung.

“Was ist das: Patellofemorales Schmerzsyndrom?”

Das Patellofemorale Schmerzsyndrom (PFS) wird definiert als ein ohne bekannte Ursache entstandener Schmerz im vorderen Kniebereich, auch sonst keiner Ursache zugeordnet werden kann (Australian Acute Muscoloskeletal Pain Guidelines Group, 2004). Oft werden Synonyme wie Chondromalzia- oder Chondropathie patellae oder anteriorer (vorderer) Knieschmerz verwendet, wobei diese nicht zwingend korrekt sind.

Knieschmerz Patellofemorales Schmerzsynrom

Symptome können sein:

  • vorderer Knieschmerz im Bereich der Kniescheibe bei Belastung
  • Schwäche & Instabilitätsgefühl
  • Pseudoblockieren (aktiv ist kein weiteres Strecken bei einer Bewegung möglich, passiv oder ohne Last jedoch schon)
  • Steifigkeit
  • Leichte Schwellung
  • Krepitation („Knirschen“) im Bereich der Kniescheibe

Meist treten die Beschwerden bei erhöhtem Anpressdruck im Gleitlager der Kniescheibe auf. Häufig werden Sitzen mit gebeugtem Knie und Treppen steigen als Probleme im Alltag genannt.

 

Wie kann sowas entstehen?

Die Ursachen für die Entstehung des PFS sind bisher noch nicht eindeutig erforscht. Momentan geht man davon aus, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen.

Als Ursache für den Schmerz wird eine Reizung des Gleitlagers der Kniescheibe und seiner umgebenden Weichteile (Kapsel-Band-Apparat, Muskeln, etc.) angenommen. Zu dieser Reizung kann es durch verschiedene Ursachen kommen, in die wir hier einen kurzen Einblick geben möchten.

Q-Winkel Patellofemorales Schmerzsyndrom

1)   Veränderte Statik und Mechanik der Kniescheibe

Die Kniescheibe (Patella) gleitet als sogenanntes „Sesambein“ im Gleitlager des Oberschenkelknochens und fungiert als Umlenkrolle des vorderen Oberschenkelmuskels (Quadrizeps), welcher darüber den Unterschenkel streckt. Liegt die Kniescheibe nun in irgendeiner Form nicht richtig, gleichmäßig und in ihrer ursprünglich angedachten Form in diesem Gleitlager, kommt es zu punktuell höheren Belastungen, welche sich als Reizung diverser Strukturen manifestieren können. Die einzelnen Formen der falschen Statik darzulegen, würde hier den Rahmen sprengen und wäre nicht sachdienlich. Es sei nur so viel gesagt: Steht die Kniescheibe falsch in ihrem Gleitlager, werden – besonders bei vermehrter Beanspruchung – Überlastungsschäden entstehen.

Quadrizeps Anatomie Patellofemorales Schmerzsyndrom

2)   Schwäche des Kniestreckers (Quadrizeps)

Ebenso kann es durch eine Schwäche des Kniestreckers bzw. eines seiner vier Teile zu einem falschen Zug und Anpressdruck an der Kniescheibe kommen. Alle vier Anteile (vastus medialis, vastus lateralis, vastus intermedius und rectus femoris) sind über eine bandartige Struktur an der Kniescheibe befestigt und haben somit Einfluss auf die Bewegung der Kniescheibe. In der Literatur wird von einer allgemeinen Schäche des Quadriceps ausgegangen, eine einzelne Schwäche des vastus medialis wird diskutiert, welche auch zu der in Abb. 1B dargestellten Situation führen könnte: die Kniescheibe hat punktuell zu hohe Druckspitzen.

3)   Schwäche der Hüftmuskulatur

Die Hüftmuskulatur am Gesäß und an der Außenseite kann ebenfalls eine Ursache für PFS darstellen. Ist die Muskulatur zu schwach, kann es sowohl in der Statik als auch der Mechanik bei dynamischen Bewegungen zu Abweichungen der Beinachse kommen. Wird der Oberschenkel z.B. beim Gang nicht genug abgespreizt und nach außen gedreht, befindet sich das Knie bei der Gewichtsübernahme beim Schreiten in einer schlechten Position. Durch den Zug der Muskulatur an der Kniescheibe wird diese Einseitig mehr an den Knochen gepresst, bekommt dort zu viel Druck, auf der anderen Seite werden die Strukturen gedehnt und kommen zu sehr auf Zug.

Anatomie Hüftmuskulatur Patellofemorales Schmerzsyndrom

 

4)   Probleme bei der nervalen Ansteuerung der Hüftmuskulatur

In Studien hat sich gezeigt, dass bei einigen Patienten mit PFS beim Treppe steigen der mittlere Gesäßmuskel (gluteus medius) zum falschen Zeitpunkt und/oder zu lange aktiv ist. Durch dieses schlechte Timing verändert er die Beinachse bei Bewegung, ähnlich wie unter 3) beschrieben, wodurch es zu punktuell höheren Belastungen im Gleitlager der Kniescheibe kommen kann.

 

Verlauf & Prognose

Zu Verlauf und Prognose kann man aufgrund der vielen verschiedenen Ursachen des PFS leider keine klare Aussage geben. Bei manchen Patienten heilt es schneller ab als bei anderen, manche haben aber ihr Leben lang damit Probleme. Dies ist zum einen davon abhängig, wie hoch die Belastung der betroffenen Strukturen im Alltag und Sport ist. Patienten, die bei Statikproblemen der unteren Extremität trotzdem eine hohe Belastung durch Beruf, Sport oder Hobby haben, werden vermutlich länger Probleme haben, als Patienten, die im Alltag weniger Belastung erfahren. Auf der anderen Seite hängt es auch davon ab, wie lange die Reizung bzw. der Schaden schon besteht.
Leider gibt es zu Verlauf und Prognose keine wissenschaftlich fundierten Angaben, die ich hier präsentieren könnte.

 

 

Soviel zu Definition, Entstehung und Verlauf von vorderen Knieschmerzen. Festzuhalten bleibt, dass das Beschwerdebild durch diverse Ursachen hervorgerufen werden kann. Was man dagegen machen kann, erfahrt ihr im zweiten Teil! 

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