Lesenswert: Kritik am “Joint-by-Joint Approach”

 2. Februar 2014

Ich habe gerade den Artikel “The Joint by Joint Approach: Claims vs. the Evidence” auf der Webseite von Nick Tumminello gelesen und dachte mir, den MUSS ich teilen! Es ist ein Gastbeitrag von Justin Kompf, der sich kritisch mit dem von Gray Cook und Michael Boyle in 2007 in einem Artikel vorgestellten Konzepts des “Joint-by-Joint Approach to Training” befasst.

Viele Trainer haben (sollten) diesen Artikel als Anlass genommen, mehr Korrekturübungen in die Trainingsprogramme ihrer Kunden aufzunehmen. Grund war, dass Cook und Boyle angenommen haben, die Gelenke des Körpers seien entweder “eher” für Mobilität, oder “eher” für Stabilität ausgelegt.

Michael Boyle Gray Cook Joint by Joint Approach

Die Liste ging wie folgt:

  • Sprunggelenk: Mobilität
  • Knie: Stabilität
  • Hüfte: Mobilität
  • LWS: Stabilität
  • BWS: Mobilität
  • Schulter: Stabilität

Aus biomechanischer Sicht ist dies mit Sicherheit sinnvoll, da Bewegungseinschränkungen im einen Gelenk häufig zu viel Bewegung in dem Gelenk darüber und darunter hervorrufen können. Die Frage ist, bestehen tatsächlich zusammenhänge zwischen Bewegungseinschränkungen, z.B. einer zu starken Kyphose (“Buckel”) der Brustwirbelsäule (BWS) und Schmerzen in der HWS, so wie es nach dem Konzept der Fall sein sollte? Wie sieht es mit den übrigen Gelenken aus?

Mit dieser Frage hat sich Justin Kompf beschäftigt und etwas Evidenz dafür bzw. dagegen gesucht. Um eins vorweg zu nehmen: weder ich, noch der Autor des Artikels, sagen, dass es schlecht ist, Korrekturübungen auszuführen, wenn sie angebracht sind. Die Frage ist nur, wieviel Zeit eines Trainings sollte es einnehmen? Wäre es nicht vielleicht sinnvoller, um die Einschränkungen des Kunden “herum” zu trainieren, während man versucht, diese zu beseitigen? Und warum wäre es sinnvoller?

Der Artikel ist recht lang, da er sich ausführlich mit dem Thema beschäftig, aber es ist die Zeit wert! Wer den originalen Artikel von Michael Boyle noch nicht kennt, sollte ihn am besten vorher noch lesen. Es ist auch ein sehr guter Artikel, trotz aller Kritik.

 

 

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